Antifaschistischer Jugendkongress 2023 – Interview mit Flo


Dieses Interview könnt ihr euch auch auf Spotify anhören:


In Chemnitz findet am kommenden Wochenende zum mittlerweile 8. mal der Antifaschistische Jugendkongress statt, wir konnten im Vorfeld mit Flo, der den Kongress seit mehreren Jahren mitorganisiert über den Kongress und die aktuelle politische Lage sprechen.

Kannst du eimal dich und den Jugendkongress, der nächstes Wochenende in Chemnitz stattfindet, vorstellen?

Ich bin der Flo, ich bin aktiv oder organisiere den Jugendkongress seit jetzt sieben Jahren mit. Der Jugendkongress findet dieses Jahr zum achten Mal statt in Chemnitz und war bis jetzt immer sehr erfolgreich und wir freuen uns auch dieses Jahr wieder über 100 Jugendliche oder sagen wir mal junge Erwachsene bei uns zu Gast zu haben, die Lust haben sich zu informieren, zu vernetzen und eben politisch zu bilden.

Warum ist es so wichtig, sich aktuell als Jugendliche zusammenzuschließen, um antifaschistisch zu kämpfen und welche Rolle kann dabei der JuKo spielen?

Also ich denke, es ist immer wichtig sich als jugendliche zusammenzuschließen und ich würde sagen nicht nur antifaschistisch zu kämpfen, sondern sich politisch zu engagieren, weil es ja auch um die eigene Zukunft geht letztendlich und es sehr wichtig ist mitzubestimmen wie diese Zukunft aussehen wird. Wir reden hier immer von Jugendkongress, mir ist aber wichtig auch zu betonen, dass es nicht nur an Jugendliche gerichtet ist, sondern auch an junge Erwachsene, aber auch an ältere Erwachsene. Also ich glaube, unser Programm ist auch sozusagen für alle Altersgruppen interessant. Und es geht uns darum, zum einen ein Informationsangebot bereitzustellen, also wenn Leute politisch interessiert sind und dann Lust haben, sich da weiterzubilden und wissen wollen „Wie genau ist das eigentlich mit diesem und diesem Thema“, da versuchen wir so ein Bildungsangebot bereitzustellen, aber auch dass die Teilnehmenden zusammenkommen, sich kennenlernen, vernetzen können, feststellen, dass sie nicht alleine sind. Der Kongress richtet sich ja vor allem an Menschen aus ländlichen Gebieten und dass sie dort eben sehen, sie sind nicht auf verlorenem Posten. Es gibt noch mehr Leute in anderen Regionen und sich natürlich im besten Fall vernetzen können.

Der Kongress findet ja unter dem Motto „Antifa International“ statt, warum ist es wichtig aktuell nicht nur die antifaschistische Bewegung in Deutschland zu sehen, sondern auch den Blick in andere Teile der Welt zu richten?

Genau, ich glaube, auch das ist nicht nur aktuell so, aber wir versuchen ja jedes Jahr ein neues Motto zu haben und dieses Jahr haben wir gedacht, dass wir mal den Blick über den Tellerrand wagen müssen. Wir können nicht immer nur in Deutschland bleiben oder eben im Osten Deutschlands. Wir haben ja auch in anderen Regionen der Welt verschiedene autoritäre oder sozusagen faschistische Macht Bestrebungen. Da können wir nach Italien gucken, wir hatten, auch wenn das jetzt schon wieder vorbei ist, Bolsonaro in Brasilien oder Trump in Amerika. Aber auch wenn wir gen Osten gucken, sehen wir gerade mit dem Krieg in der Ukraine verschiedene Kämpfe um Deutungshoheit, was antifaschistisch ist, also der Einmarsch Russlands in die Ukraine wird ja sozusagen als ein antifaschistischer Kampf gelabelt und da natürlich auch mal zu hinterfragen, was das eigentlich bedeutet. Aber auch wenn wir nach Polen gucken, oder nach Tschechien, wo wir starke antifeministische Bewegungen haben oder in Ungarn ein autoritäres Regime und aus diesen Gründen und ganz anderen ist es wichtig, eben auch mal den deutschen Tellerrand herauszugucken und zu gucken; Wie läuft das eigentlich woanders? Aber nicht nur den deprimierenden Blick zu wagen, sondern auch zu sehen; Dort gibt es auch Initiativen, engagierte, die sich zusammenschließen und eben für eine bessere Welt oder für ein besseres Leben kämpfen.

Welche Bedeutung hat der aktuelle Höhenflug der AfD, aber auch die zunehmende faschistische Gewalt in den letzten Monaten?

Das letzte würde ich, glaube ich, ein bisschen relativieren, ohne jetzt die Gewalt zu verharmlosen oder zu sagen, es ist nicht so schlimm mit der Gewalt, aber ich würde sagen, rechte Gewalt hat es schon immer gegeben und war auch schon immer hoch. Also wenn wir in den 80er gucken, wir hatten wir viele rassistische Anschläge und Attentate auch von rechter Seite. Also ich glaube, dass die gerechte Gewalt jetzt gerade auf dem Höhepunkt ist. Das würde ich n bisschen versuchen einzuordnen und zu sagen, dass sie schon immer hoch ist, die rechte Bedrohung.
Aber natürlich müssen wir gucken, wir machen den Jugendkongress in Sachsen, wir haben im nächsten Jahr Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen. Und die AFD steht in Umfragewerten gerade ganz gut da, dass wir natürlich gucken müssen, wie schaffen wir es Leute zu befähigen, zu mobilisieren, ihre Stimme zu erheben und aktiv zu werden im Kampf gegen Rechts. Angesichts dieser dieses Höhenflugs, wie Du sagst.

In den letzten Monaten hat ja die Repression gegen Linke Bewegungen und politische Jugendliche Tag-X Protesten, inwieweit ist der JuKo auch eine Antwort auf diese Repression?

Auch das würde ich gerne noch mal ein bisschen einordnen, ohne das jetzt sozusagen zu verharmlosen oder relativieren, die Verfolgung. Aber ich glaube, dass in Deutschland die Verfolgung von Antifaschist:innen oder generell von Linken schon immer hoch war. Wenn wir mit älteren Genoss:innen sprechen, dann sehen wir, dass es schon viele Kriminalisierungsverfahren gab und Kriminalisierungsversuche linker Bewegungen. Das ist also nichts Neues. Und Kriminalisierung von linken Strukturen zielt ja immer darauf ab, Menschen zu vereinzeln, dass eben Menschen sich alleine fühlen und sich dann zurückziehen und eben aufhören, sich zu engagieren. Und ich glaube, da kann der Juko einen wichtigen Gegenpunkt bieten, eben um zu zeigen, ihr seid nicht alleine. Und dann aber natürlich auch das Ganze nochmal einzuordnen oder eben auch ganz klassische hilfreiche Tipps und Tricks mit an die Hand zu geben; Was mache ich im Falle einer Hausdurchsuchung, was mache ich, wenn mir Repression droht?

Wieso ist es für euch so wichtig diesen Kongress jedes Jahr in Chemnitz zu machen? Die Stadt ist ja nicht erst seit den Hetzjagden 2018 immer wieder Schauplatz faschistischer Gewalt.

Das hat zum einen logistische Gründe, weil das AJZ in Chemnitz einfach sehr gut geeignet ist, in seiner Größe und der Vielfalt der Veranstaltungsräume, die sie haben, für uns, den Kongress in so einer Größe zu machen, anstatt dass wir sozusagen einen Veranstaltungsort haben, wo wir nur einen einzigen Raum haben. Und wir sind ja ein sächsisches Bündnis, eine sächsische Initiative, die diesen Kongress macht. Dann wollten wir ihn nicht in Leipzig oder in Dresden machen, weil wir das Gefühl haben, in diesen beiden Großstädten gibt es schon genug Angebote, da braucht es jetzt nicht noch eins. Sondern unser Ziel, ist ja eher, in den ländlichen Raum hineinzuwirken, direkt im ländlichen Raum ist es aus verschiedenen Gründen schwierig, den Kongress zu machen. Zum einen logistisch, zum anderen auch wegen der politischen Gemengelage, der ländliche Raum in Sachsen ist oft fest in der Hand von CDU, und in Sachsen ist die CDU ja besonders rechts und dort ist es dann schwierig, so einen Jugendkongress zu machen, der sehr schnell angefeindet wird, sehr schnell kriminalisiert wird. Damit würden eben auch die noch bestehenden Strukturen, die es im ländlichen Raum gibt, oft kriminalisiert. In dem Sinne kann der Jugendkongress dann da eher eine Gefahr auch darstellen. In Chemnitz ist das glücklicherweise, noch möglich. Wir sind wir dem AZ sehr dankbar, dass wir das da noch machen können. Wir haben auch das Gefühl, dort ist es noch am ehesten möglich aus einer Großstadtblase herauszukommen und eben Menschen im ländlichen Raum zu erreichen. Und wir haben den Jugendkongress ja schon vor 2018 auch dort gemacht. Also ich glaube, wir wollen jetzt nicht unbedingt sagen, dass Chemnitz eine Stadt ist, wo es besonders viele Nazis gibt oder die besonders rechts ist, und dass wir deswegen den Kongress machen, das hat eher so logistische und eben wie gesagt diese politischen Gründe.

Gibt es noch etwas, was du gerne erwähnen oder ergänzen würdest?

Wir freuen uns, wenn Menschen kommen, wenn sich Menschen anmelden, wenn sie sich informieren wollen. Wir freuen uns natürlich immer über Menschen, die Lust haben, den nächsten Jugendkongress wieder mit vorzubereiten und natürlich, wenn Menschen sagen, hier dieses Thema, das hat mir gefehlt oder mach doch mal gerne, ladet doch gerne Referent:innen zu diesem Vortrag oder zu diesem Thema ein, dann freuen wir uns über E-Mails.

Link zum Antifaschistischen Jugendkongress: https://antifaschistischer-jugendkongress.org/

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